Sonntag, 30. Oktober 2011
Momentaufnahmen aus einem maskulinistischen Kellerloch 3
In einem Spex-Interview im Sommer 2011 spricht Debbie Harry von BLONDIE über den Drummer Tony Thompson der Band CHIC. Im Jazz gebe nicht der Drummer, sondern der Bassist das Tempo vor. Das Schlagzeug sorge für Akzente und Ausfüllungen. Und genauso sei es bei CHIC gewesen, die diesen speziellen Groove gehabt hätten, bei dem der Bass das Tempo bestimmt habe und die Drums all-over-the-place gewesen seien. Chris Stein von BLONDIE ergänzt, dass bei einem Remix eines Debbie Harry Songs, die Drumspuren Tony Thompsons nicht mit den Synthezisern zu synchronisieren gewesen wären, weil das Tempo viel zu sehr geschwankt hätte.
Die schlichte und schöne Unmöglichkeit einen Bass- und Drum-Rhythmus mit einer Maschine zu synchronisieren, ist in der Ära des „Clicks“ schon lange vorbei. Heute werden die einzelnen Spuren von den Musikern immer auf “Click eingespielt. Das hat meines Erachtens, besonders in allen Formen des Rock und Pop und in der Dance Musik zu einem dominanten wie reduzierten maschinellen Rhythmus geführt und ist wie so vieles zum Naturzustand geworden. Da kommt Langeweile auf. Wiederholung. Und Depression.
Seit dem ich denken kann, wird um mich herum gewuselt, gekloppt, gemacht, getan und gehobelt. Dagegen falle ich auf, denn ich hänge schon immer gern meinen Tagträumen und Gedankenverlorenheiten nach und weil ich einfach da sein kann, ohne etwas zu tun. Aus irgendeinem Grund ist die Tätigkeit des Nichtstuns zu einer Konstante meines Seins geworden. Im Nichtstun erkenne ich mich am ehesten wieder. Dabei muss ich mich so manches Mal gegen das Gewusel der anderen verteidigen. Auf den ersten Blick wirke ich selbst sehr hektisch, meinetwegen hyperaktiv, aber die vielen hastigen Bewegungen mache ich nur, um möglichst schnell eine für mich unattraktive Handlung, beenden zu können. Manchmal finden es andere aber auch schön, sich auf meine Untätigkeit einzulassen.
Es ist immer noch kein Herbst, aber mein heimliches Experiment oder Spiel ist vorbei und ich synchronisiere mich wieder mit meinem Alltag.
Wenn es alles gut läuft, koche ich perfekt getimte Eier ohne auf die Uhr zu gucken.
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